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NRW/ Dekanat Borken, 29. Januar 2016  

Qualität in der Jugendhilfe erhalten

18.01.2016 // Caritas warnt vor Standardabbau bei den Hilfen zur Erziehung

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Prof. Dr. Holger Ziegler (Universität Bielefeld) bei seinem Redebeitrag
"Brauchen wir ambulante Hilfen zur Erziehung?"
bei der Fachtagung "Ambulante Hilfen zur Erziehung
zwischen Wirksamkeit und Kostendruck" am 18. Januar 2016 in Essen.

(Foto: Christoph Grätz)

Düsseldorf/ Essen - Vor Qualitätssenkungen und Standardabbau in der Jugendhilfe warnt die Caritas in NRW. "Es sollen immer mehr Leistungen in kürzerer Zeit erbracht werden und dies in einer Zeit zunehmend komplexer und problematisch werdender Lebenslagen von Familien, Kindern und Jugendlichen", sagte Dr. Jürgen Holtkamp, Abteilungsleiter Beratung, Erziehung und Familie beim Caritasverband im Bistum Essen am Montag auf einer Fachtagung der Caritas in NRW in Essen. Vor allem die ambulanten Erziehungshilfen in den Kommunen stünden im Spannungsfeld von Ökonomie und gebotener Fachlichkeit unter einem hohen Druck.

Holtkamp verwies auf einen Beschluss der Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder im Mai 2014. Es müsse kritisch geprüft werden, ob dieser zu einer Verbesserung der Angebote und Hilfen für Familien führe oder ob damit singuläre Einsparpotentiale gesehen würden. Die Caritas in NRW warne davor, im Sozialgesetzbuch VIII verankerte Rechtsansprüche aufzuweichen, gute Unterstützungssysteme in den Erziehungshilfen einfach abzuschaffen und diesen Teil der Jugendhilfe mit zusätzlichen Aufgaben zu überfrachten.

Rückgang von Einrichtungen und Personalstellen

Nach Angaben des Bielefelder Erziehungswissenschaftlers Professor Holger Ziegler fließen bundesweit etwa 14 Prozent der Gesamtausgaben der Kommunen in Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Der Anteil dieser Leistungen sei zwar in den letzten zwanzig Jahren um über 60 Prozent gestiegen, allerdings gingen knapp zwei Drittel (62 Prozent) dieser Mittel in die Kindertagesbetreuung, deren Ausbau politisch gewünscht war.

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Dr. Monika Weber vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Münster)
bei ihrem Redebeitrag "Wie kommt die Qualität in die ambulante Erziehungshilfe?"
bei der Fachtagung "Ambulante Hilfen zur Erziehung
zwischen Wirksamkeit und Kostendruck" der Caritas in NRW am 18.01.2016 in Essen.

(Foto: Christoph Grätz)

Nur ein sehr kleiner Teil der Ausgaben komme in der Kinder- und Jugendarbeit an. In der Folge sei nicht nur der prozentuale Anteil der Ausgaben für die Kinder- und Jugendarbeit erheblich gesunken, sondern auch die absolute Zahl der Einrichtungen und der Personalstellen, sagte Ziegler auf der Tagung. Zwar sei nicht zu bestreiten, dass Fallzahlen und Ausgaben in den Hilfen zur Erziehung auf ein bislang nicht gekanntes Ausmaß gestiegen sind, doch dürfe das nicht dazu führen, zugunsten von "sozialräumlichen Angeboten" "die individuelle Einzelhilfe als Angebotsform von der Regel zur Ausnahme" zu machen.

Auch wenn es keinen Index speziell für "Hilfen zur Erziehung" gebe, so böten weitere statistische Daten wie etwa die Inanspruchnahme psychosozialer Hilfen, Anzahl der Schulabgänger ohne Abschluss und die Zahlen der Kindeswohlgefährdungen ausreichend Hinweise darauf, dass der Bereich "Hilfen zur Erziehung" deutlich unterversorgt sei. "Diese Hilfe müssten anstatt gekürzt weiter ausgebaut werden", betonte Professor Dr. Holger Ziegler von der Universität Bielefel. Ein Problem sei jedoch die mangelnde Aufklärung.

Viele Familien, gerade aus problembelasteten Situationen, wüssten nicht, dass sie einen Rechtsanspruch auf Hilfen haben. Diese Menschen würden die örtlichen Jugendämter eher als Bedrohung wahrnehmen denn als Servicestellen für Hilfen. Ziegler warnte davor, dei Zielgruppen aus den Augen zu verlieren. "Wir müssen darauf achten, dass wir keine Mittelschichtsförderung zu Lasten derer betreiben, die wirklich bedürftig sind", schrieb er den anwesenden Erziehungshelferinnen und -helfern ins Stammbuch.

Dr. Monika Weber vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe verwies in ihrem Beitrag "Wie kommt die Qualität in die ambulante Erziehungshilfe?" darauf, dass Indikatoren für die Ergebnisqualität ausschließlich bei den Adressaten lägen, denn Zufriedenheit, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit könnten nur bei den Familien gemessen werden, die die Hilfe in Anspruch nehmen.

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