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Bistum Münster, 25. Juni 2016  

100 Jahre jung geblieben

Caritas in der Diözese Münster lebendiger denn je/ Bischof Genn: Neue Felder der Not entdeckt und manchmal gegen den Strich gebürstet

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In seiner Predigt betonte Bischof Dr. Felix Genn die Bedeutung des Caritasverbandes
für die katholische Kirche.

Diözese Münster (cpm). Das Finale des Festakts der anderen Art fasste die vergangenen 100 Jahre der Caritas in der Diözese Münster zusammen: Mit "Wind of Change" begeisterten Realschüler aus Herten die 500 Gäste im Stadttheater Münster. Wandel hat die soziale Arbeit in Beratungsstellen, Krankenhäusern, Altenheimen, Behinderteneinrichtungen... über die Jahrzehnte bestimmt. Am Freitagabend feierte der Diözesancaritasverband Münster sein Jubiläum und ließ keinen Zweifel, wie lebendig er geblieben ist. Es fehlten die Festrede und Grußworte der Honoratioren. Zu Wort kamen Mitarbeiterinnen aus Pflegeeinrichtungen und Flüchtlingsarbeit im Gespräch mit Moderatorin Gisela Steinhauer. Das Kabarett-Duo Harald Funke und Jochen Rüther hielt der Caritas den Spiegel vor und youngcaritas Herten stellte Arbeitsfelder tänzerisch vor.

Zuvor hatte Bischof Dr. Felix Genn die Bedeutung der Caritas für die katholische Kirche im Pontifikalamt gewürdigt. Die 100 Jahre seien gefüllt vom "Liebeswerk unzähliger Menschen". Die 16 Lebensbilder in der Festschrift hätten ihm vor Augen geführt, "welche Kraft Menschen investiert haben, um Menschen zu bewegen und sich bewegen zu lassen von der Not der Menschen." Zahlen spiegelten nicht wider, was sie investiert hätten an Intelligenz, Nerven, Kraft und wohl auch Frustration.

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Vertreter verschiedener Arbeitsfelder der Caritas
trugen Fürbitten vor und unterstützten sie symbolisch.

"Ich bin überzeugt, dass alles, was aus Liebe geschieht, nicht verloren sein kann", sagte Genn in seiner Predigt. Caritas heiße "Gott ist die Liebe". Das sei ein hoher Anspruch und damit auch eine Verpflichtung. Caritas müsse auch Anwalt sein gegenüber Politik und Gesellschaft und wenn notwendig gegen den Strich bürsten. Immer wieder habe sie neue Felder der Not entdeckt. Sie helfe "unabhängig von Religion und Herkunft, sondern weil es ein Mensch ist, der von Gott geliebt wird," betonte Genn. Keinen Zweifel ließ der Bischof an der Stellung dieser organisierten Form der Nächstenliebe: "Caritasverband ist Kirche". Sie gehe mit Christus an die Ränder.

Entstanden ist die verbandliche Caritas aus der großen Not des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Daran erinnerte der Vorsitzende des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Dr. Peter Neher, der das Pontifikalamt konzelebrierte. Gerade in dieser Zeit gründeten sich viele katholische Initiativen, während die caritative Arbeit zuvor vor allem Aufgabe der Orden war. Der Erste Weltkrieg habe die Notwendigkeit noch einmal verschärft, die vielen nebeneinander bestehenden Hilfen neu zu organisieren. Es habe einer "reichsweiten Organisation der Hilfe" bedurft, so Neher.

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Moderatorin Gisela Steinhauer hatte sichtlich Spaß im Gespräch
mit der "Grünen Dame" Rita Frede und Pflegemitarbeiterin Ulla Alterwischer.

Durch die Gründung diözesaner Caritasverbände wie 1916 in Münster "konnten sich langfristig professionelle, verlässliche und tragfähige Strukturen um Gottes und der Menschen Willen bilden." Wie geholfen werde, sei unterschiedlich und habe sich immer wieder gewandelt. Caritas sei dabei keine "Art Wolfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, " so Neher, "sondern sie ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst". Dabei brauche es alle Ebenen, um wirksam soziale Hilfen leisten zu können: vor Ort, in der Diözese, im Land und bundesweit.

Und zudem das Zusammenspiel zwischen der Caritas und der Politik, wie in einer der Talkrunden des sich anschließenden "Festakts" zwischen der NRW-Familienministerin Christina Kampmann und Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann deutlich wurde: Kampmann freute sich, dass es gelungen sei, ab August mehr Geld für die Kitas bereitzustellen und kündigte an, in die Erarbeitung des neuen Gesetzes, dass das Kinderbildungsgesetz ablösen soll, Erzieherinnen einzubeziehen. Kessmann sah das mehr an Geld als einen "richtigen, aber nicht ausreichenden Schritt" an. Bei gleichen Rahmenbedingungen müssten immer neue Anforderungen im Alltag der Tageseinrichtungen umgesetzt werden. Dazu müssten die Erzieherinnen auch die Chance bekommen. Notwendig seien neue Formen der Finanzierung, bei der der Bund neu und die Kommunen wieder verstärkt eingebunden werden müssten.

Dass der Alltag sozialer Arbeit nicht immer ganz einfach ist, wurde sowohl in kurzen Einspielfilmen aus verschiedenen Arbeitsfeldern wie auch in den kurzen Gesprächsrunden deutlich. Der enge Rahmen, den die Finanzierung nicht nur bei den Kitas sondern vor allem auch in der Pflege setzt, muss ausgeglichen werden durch besonderes Engagement haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter. Dass sie dies mitbringen, daran ließen die Einblicke in die lebendige Caritas vor Ort keinen Zweifel.

061-2015 (hgw) 25. Juni 2016

(Fotos: Harald Westbeld/ Caritas)

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