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Münster / Borken, 24. November 2016  

Lernen ist keine Einbahnstraße

Generationen haben kaum Kontakt zueinander / Ort der Begegnung entsteht in Dülmen / Caritas setzt sich für Generationengerechtigkeit ein

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Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann warb auf der Abschlussveranstaltung
der Caritas-Jahreskampagne in der Familienbildungsstätte für mehr Generationengerechtigkeit.

Dülmen / Münster (cpm). Die Statistik ist unerbittlich: Spätestens 2050 wird der Generationenvertrag die Belastungsgrenze erreicht haben, wenn Alt und Jung wie bisher eher nebeneinander leben. Gerade vier Prozent der Jugendlichen haben heute einmal in der Woche Kontakt zu einem über 60jährigen.

In Dülmen klafft ein großes Loch mitten in der Stadt zwischen Rathaus und Kirche, wo sich dies ändern und die Generationen sich künftig begegnen sollen. Die Ideen zum hier entstehenden Intergenerativen Zentrum (IGZ) waren am Dienstagnachmittag ein wegweisendes Beispiel für den Abschluss der Caritas-Jahreskampagne "Mach dich stark für Generationengerechtigkeit" in der Diözese Münster. "Wir werden im kommenden Jahr einen Rentenwahlkampf erleben", sprach Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann in der Familienbildungsstätte Dülmen eine mögliche Konfliktlinie zwischen den Generationen an.

Die Diskussion um die künftige Lastenverteilung habe viele Facetten und es sei immer weniger klar, "was wir als gesellschaftliche Normalität in der Übernahme von Generationenverantwortung bezeichnen", so Kessmann. Es werde in der Diskussion nicht um Standardlösungen gehen können, sondern es müssten "eine Vielzahl von Optionen ermöglicht werden." Für eine "intergenerative Gerechtigkeit" werde es auch Orte brauchen, wo ein Austausch stattfinden könne.

Das ist für Prof. Jörn Dumman von der Fachhochschule Münster vor allem wichtig für die Frage des Wissenstransfers. Lernen sei keine Einbahnstraße und manche Erfahrungen ließen sich nur zwischen den Generationen und nicht in der eigenen Altersgruppe machen. Wobei auch im IGZ nicht alles intergenerationell sein müsse, aber es müsse immer die Möglichkeit geben, verschiedene Generationen zu beteiligen. Dumman bezeichnete in seinem über Internet eingespielten Vortrag das IGZ als einen "Leuchtturm für Deutschland".

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Idee und Konzept des Intergenerativen Zentrums in Dülmen
stellte die Leiterin der Familienbildungsstätte, Irmgard Neuss, vor.

Dafür nehmen Stadt und Kirche gut 21 Millionen Euro in die Hand und werden dabei kräftig vom Land im Rahmen der Regionale unterstützt. Mitten in Dülmen wird dafür ein Gebäude mit vielen Begegnungsräumen und dem Familienzentrum St. Anna als Tageseinrichtung für Kinder entstehen. Irmgard Neuss, Leiterin der Familienbildungsstätte Dülmen stellte ihre Idee vor. Es gehe darum Schnittstellen zu schaffen. Das IGZ solle dazu Strahlkraft in die Stadt entfalten.

Bis 2018 oder 2019 wird der Bau noch benötigen, je nachdem wieviel Historisches zuvor noch ans Tageslicht kommt. Die intergenerationelle Arbeit hat aber schon begonnen. Nach dem "Dülmener Modell", das mit Prof. Dummann entwickelt wurde, werden Generationslotsen zur "intergenerativen Fachkraft" ausgebildet. Interesse daran gibt es mittlerweile bundesweit und darüber hinaus. All dies, so Neuss, geschehe in enger Kooperation mit der Stadt und vielen weiteren Netzwerkpartnern. Letztlich gehe es darum "die Trennung der Einrichtungen für Jung und Alt aufzuheben".

Wie viel Potential Begegnung entfalten kann, wurde in den Schilderungen Ehrenamtlicher deutlich, die begleitet vom Sozialdienst katholische Frauen (SkF) Coesfeld rechtliche Betreuungen übernehmen. Freiwilliges Engagement bringt gerade auch die ältere Generation nach dem Arbeitsleben ein, hatte Heinz-Josef Kessmann schon festgestellt. Helga Gerstenberger und Heike Schöwe verdeutlichten, wieviel Spaß ihnen diese Begleitung eines Menschen macht und wieviel sie gegenseitig voneinander lernten.

136-2016 (hgw) 24. November 2016

(Fotos: Harald Westbeld / Caritas)

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