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Andreas Dawo

Andreas Dawo
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Borken, 20. Januar 2017  

Verschuldung ist hoch, aber die Gründe ändern sich

Von wegen Aufschwung. In Deutschland ist jeder zehnte Verbraucher bis über beide Ohren verschuldet. Wie aus Zahlen der Wirtschaftsauskunft Creditreform hervorgeht, hat sich die Situation der Deutschen im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge verschlechtert. Erstmals seit 2008 ist die Überschuldungsquote über die für Fachleute wichtige Zehn-Prozent-Marke gestiegen. "Eine Entwicklung, die angesichts der eigentlich stabilen Konjunkturlage verwunderlich ist", sagt die Geschäftsführerin der Creditreform Münster, Verena Riegel. Überschuldung liegt dann vor, wenn die monatlichen Ausgaben die Einnahmen übersteigen.

Die gute Nachricht: Im bundesweiten Vergleich stellt sich das Münsterland als heile Welt dar. Zwar stieg die Zahl der Menschen, die von Überschuldung betroffen sind, in den vier Kreisen Borken, Coesfeld, Warendorf und Steinfurt sowie in der Stadt Münster im vergangenen Jahr um 1.100 auf insgesamt 112.446. Mit einer Schuldnerquote von 8,59 Prozent liegt das Münsterland aber erneut deutlich unter den Zahlen für Nordrhein-Westfalen (11,66 Prozent) und Gesamtdeutschland (10,06 Prozent).

Brennpunkte in der Region bleiben der Nordosten von Münster mit den Stadtteilen, Sprakel, Kinderhaus und Gelmer sowie Gronau und der Süden von Ahlen. Den höchsten Schuldenanstieg verzeichnete die Stadt Münster mit einem Plus von 501 Personen.

Dass der Zuwachs an Schuldnern nicht auf die Schuldnerquoten durchgeschlagen habe, sei auch der Zuwanderung von Migranten geschuldet, in dessen Folge die Einwohnerzahlen gestiegen sind. Alarmierend ist aus Sicht von Creditreform die aussichtslose Lage vieler Schuldner. Fast fünf Prozent der Münsterländer weisen eine hohe Überschuldungsintensität aus - sie stecken folglich besonders tief im Schuldensumpf. Besserung ist aus Sicht der Experten nicht in Sicht. "Dieser Trend wird sich vermutlich verstetigen", so Riegel.

Auffallend seien die Gründe für die Verschuldung. Während ökonomische Auslöser wie Arbeitslosigkeit oder gescheiterte Selbstständigkeit an Bedeutung verlieren, steigt der Anteil der Menschen, die durch Erkrankung, Sucht sowie gescheiterte Immobilienfinanzierungen in die Schuldenfalle gerutscht sind. Nicht bezahlte Handyrechnungen oder der Einkauf auf Pump treten derweil in den Hintergrund, so Verena Riegel.

Andreas Dawo von der Caritas-Schuldnerberatung rechnet in absehbarer Zeit mit einer weiteren Welle von Schuldnern, die Probleme mit ihrer Immobilienfinanzierung bekommen werden. "Das wird virulent, wenn die Zinsen steigen und Anschlussfinanzierungen anstehen." Auffallend hoch sei auch die Zahl der Menschen, die von Finanzberatern zu Immobilienkäufen mit Steuersparmodellen gedrängt worden seien. Dawo: "Diese Erwartungen treten fast nie ein. Selbst bei einem Verkauf bleibt in der Regel eine hohe Restschuld."

(Quelle: Pressegespräch Creditreform Münster, Andreas Fler)

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