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Münster / Borken, 31. Januar 2017  

"Zuwanderer fallen nicht vom Himmel"

Caritas am Ring zum Thema Integration: Arbeit ist der wichtigste Erfolgsfaktor - schlechte Wohnsituation das größte Hindernis

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Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan warnt davor,
im Umgang mit Flüchtlingen Fehler der Vergangenheit
zu wiederholen. (Foto: Harald Westbeld / Caritas Münster)

Münster (cpm). Arbeit zu finden, ist der beste Ansatz zur Integration. Eine schlechte Wohnsituation verhindert sie am ehesten. Beides Faktoren, die beeinflusst werden können und müssen, wenn es gelingen soll, dass Flüchtlinge ein selbstständiges Leben führen können und Deutschland ihre neue Heimat werden kann. Eine große Aufgabe für die Gesellschaft und die Caritas sieht Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann darin. Jetzt sei ein wichtiger Zeitpunkt dafür erreicht, erklärte er in der Diskussionsreihe "Caritas am Ring", die sich mit dem Thema "Integration - die gesellschaftliche Herausforderung der nächsten Zeit" auseinandersetzte: "Jetzt müssen wir den Schritt vom Willkommen zur Integration gehen".

Weder Kessmann noch Professor Dr. Haci-Halil Uslucan von der Universität Duisburg ließen Zweifel daran, dass dies durchaus eine große und nicht immer einfache Aufgabe werden wird. Aber es ist auch, so Uslucan, eine unausweichliche und mit Blick in die Vergangenheit durchaus zu bewältigende Herausforderung. So groß die Zahl von rund einer Million Flüchtlinge in 2015 erscheinen möge, so sei sie doch im Vergleich vor allem zu den Nachbarländern der Fluchtorte relativ gering. Der Libanon habe fast ein Viertel seiner ursprünglichen Bevölkerung an syrischen Flüchtlingen aufgenommen.

Deutschland bauche künftig 300.000 bis 400.000 Zuwanderer jedes Jahr, um angesichts der Überalterung der Bevölkerung den Wohlstand auf Dauer halten zu können. Ansonsten sinke die Zahl der Erwerbstätigen, die die Rente künftig sichern könnten, bis zum Jahr 2050 drastisch. Da die Flüchtlinge im Durchschnitt unter 30 Jahren seien, seien sie "langfristig eine enorme Ressource".

Ideal sei es für die dafür notwendige Integration, wenn offene Zuwanderer auf eine offene Gesellschaft träfen. "Zuwanderer fallen nicht vom Himmel", erklärte Uslucan. Sie kämen mit euphorischen Gefühlen, endlich in Sicherheit zu sein. Doch wenn sie Ablehnung spürten, könnten sie sich auch nicht öffnen. Phasen der Ernüchterung folgten. Eine längere Begleitung sei deshalb notwendig.

Der Professor für Moderne Türkeistudien warnte davor, Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Libanesen und ihre Kinder habe man über viele Jahre durch den Duldungsstatus in Unsicherheit gehalten, eine Schulpflicht habe es nicht gegeben. Auch Heinz-Josef Kessmann plädierte dafür, in die Bildung der Flüchtlinge zu investieren: "Wir müssen auch bei der Forderung bleiben, jungen Flüchtlingen eine längere Schulzeit zu ermöglichen".

Den Integrationsgedanken gefährdet sieht Kessmann durch rechte Tendenzen in der Gesellschaft. Über professionelles Denken hinaus sei es Aufgabe eines Christen hier gegen zu halten. Insgesamt "müssen wir die Soziale Arbeit nicht neu erfinden für die Arbeit mit den Flüchtlingen", erklärte der Diözesancaritasdirektor. Haupt- wie ehrenamtlich ebneten vor Ort tausende Mitarbeiter in der Diözese Münster Flüchtlingen den Weg in ihre neue Heimat.

Zwei Projekte stellten sich dazu beispielhaft vor. In Gescher ist das "Bunte Haus" zu einem Treffpunkt für Flüchtlinge und sich in der Flüchtlingsarbeit engagierende Ehrenamtliche geworden. Zurückhaltung und Ängsten, die bei vielen Besuchern zunächst spürbar sind, begegnen sie mit Signalen der Gesprächsbereitschaft, ohne sich aufzudrängen. In Ibbenbüren haben Deutsche und Flüchtlingen über die Aktion "Meet and eat" zusammengefunden, einem Projekt der Freiwilligenbörse des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). Allerdings ist es nicht beim Essen geblieben, sondern es wird auch ganz praktisch geholfen zum Beispiel mit dem Schreiben von Lebensläufen für Bewerbungen oder der Vermittlung von Praktika.

010/2017 (hgw) 31. Januar 2017

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