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Psychologische Beratungsstelle
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Borken, 4. Dezember 2017  

Neues Buch von Dr. Stephan Rietmann:

Zukunft der Beratung - von der Verhaltens- zur Verhältnisorientierung

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Der Leiter der Psychologischen Beratungsstelle des Caritasverbandes Borken, Dr. Stephan Rietmann, legt mit diesem Fachbuch einen Beitrag zur Weiterentwicklung konzeptioneller Beratungslösungen vor, mit denen Klienten in Beratungen wirksame Unterstützung erhalten. Zielsetzung ist dabei ein Theorie-Praxis-Transfer, der für beide Seiten fruchtbar wird.

In dem Band finden sich Artikel unter anderem zur Wirksamkeit von Beratung, zur gesellschaftlichen Rolle von Beratung und Psychotherapie, Einordnungen aus der Perspektive eines Professors für Ökonomie sowie neurobiologische und soziologische Ansätze. Mit dem Erstellen dieses Sammelbandes gehen zudem Aspekte der Netzwerkbildung (mit den Autoren) und Impulse für die Beratungsarbeit einher.

"Das Buch ist zusammen mit Maik Sawatzki, einem Kollegen aus der Erziehungsberatungsstelle in Ahlen, herausgegeben. Sawatzki ist Junior-Berater, der parallel an der Uni Münster über Erziehungsberatung promoviert. Ich dagegen verfüge über knapp 20 Jahren 'Felderfahrung' als Leiter der Psychologischen Beratungsstelle. Im gemeinsamen Dialog, der auch gedruckter Teil des Buches ist, haben wir eine Standortbestimmung moderner Beratung vorgenommen und Entwicklungsaufgaben und -potentiale thematisiert. Damit ist das Buch ein Beitrag wissenschaftlicher Praktiker zur Reflexion und Weiterentwicklung der Praxis."

Drei Fragen an Dr. Stephan Rietmann

Um was geht es in dem Buch?

Im Regelfall betrachten Beratung und Therapie das individuelle Verhalten eines Menschen. Klienten wollen oder müssen daran beispielsweise Änderungen oder Optimierungen vornehmen, um aus krankmachenden Situationen herauszukommen oder zu einer befriedigeren Lebensweise zu finden. Eine nachgeordnete Rolle spielen dabei oft die umgebenden Verhältnisse, in denen sich ein Mensch befindet.

Wenn nun in Beratung und Therapie häufig sehr ähnliche Probleme thematisiert werden, liegt der Schluss nahe, dass die auffällige Vielzahl ähnlicher Einzelprobleme systematische Fehlentwicklungen in der Gesellschaft oder deren Organisationen anzeigen. In dem Buch wird daher von verschiedenen Fachleuten die Frage gestellt, welche Auswirkungen die gesellschaftlichen Verhältnisse auf das Leben des einzelnen erzeugen können.

Gibt es konkrete Beispiele dafür?

Zum Beispiel der Stress, von denen viele "G8"-Schülerinnen und -Schüler berichten. Man kann den Umgang mit Belastung als individuelle Anpassungsaufgabe beschreiben. Das hat zur Folge, dass jemand selbst in der Verantwortung steht, sein Verhalten zu verändern, um die Belastung abzubauen. Diese Sichtweise entspricht weitgehend dem aktuellen Zeitgeist. Man kann Schul-Stress aber auch als Problem begreifen, das die bestehenden Verhältnisse abbildet. Nicht nur Schülerinnen und Schüler sind davon betroffen, sondern zum Beispiel auch Lehrende. Somit wird der Blick auf die Verhaltensebene um die Verhältnisebene ergänzt.

Für diese Art von "Verhältnis-Problemen" finden sich viele weitere Beispiele. Kindliche Aufmerksamkeitsstörungen etwa, die von Eltern während der Schulzeit berichtet werden und während der Ferienzeit nicht beobachtet werden. Auch das Phänomen des Burnouts in der Arbeitswelt zeigt an, dass es mit individueller Systemanpassung nicht allein getan ist, sondern dass gegebenenfalls übergeordnete Systemwechsel stattfinden müssten. Allerdings wird, so die Auffassung vieler Beiträgerinnen und Beiträger in dem Buch, die Frage nach den bestehenden Verhältnissen und wie man sie verändern kann häufig zu wenig gestellt.

Welche Zielgruppe soll mit der Publikation erreicht werden?

Beraterinnen und Berater, Coaches, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Fachleute, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sowie Studierende dieser Fachrichtungen und alle weiteren Interessierten.

Und wie können diese Zielgruppen das Buch für ihre Arbeit einsetzen?

Das Buch enthält Angebote zur Reflexion, es gibt Information und Anregung und es unterstützt den Leser, neue Perspektiven zu entwickeln. Diese Aspekte sind in einer turbulenten, unübersichtlichen und herausfordernden Zeit, wie der unseren, wichtig. Für den Beratungsbereich stellt sich beispielsweise die Frage, wie es noch mehr als bisher gelingen kann, Frühwarnsystem und aktive Gestaltungskraft in einer Gesellschaft zu sein, die dringend neue Lösungen für ein gutes und friedliches Zusammenleben benötigt.

In dem Buch stellen Fachleute aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln Fragen und geben Anregungen, die das eigene berufliche Wirken in einen erweiterten Rahmen stellen.

 

Dr. Stephan Rietmann_300

Der Herauseber Dr. Stephan Rietmann

Diplom-Psychologe (Universität Osnabrück), Promotion zum Dr. phil. an der Universität Münster (Fachbereich Psychologie), Leiter der Psychologischen Beratungsstelle des Caritasverbandes Borken seit 1999, Zusatzqualifikationen in Systemischer Therapie (DGSF) und Klinische Hypnose (M.E.G.).

Akademische Aktivitäten: Lehraufträge an Hochschulen in Berlin und Münster, Herausgeber mehrerer Fachbücher.